„Gier frisst Hirn“ – Warum Gier und Ungeduld an der Börse die schlechtesten Berater sind

„Gier frisst Hirn“ – Warum Gier und Ungeduld an der Börse die schlechtesten Berater sind

By : -

Geduld ist die oberste Tugend des Investors.« Dieses Zitat entstammt dem Altmeister Benjamin Graham und hat bis heute nichts an seiner Gültigkeit verloren. Nichtsdestotrotz scheint den meisten Börsianern die wohl wichtigste aller Börsenweisheiten egal zu sein. Wie anders könnte es sein, dass an der Börse nicht das Credo der Rationalität herrscht, sondern Gier und Ungeduld den Ton angeben?

 

Warum handeln wir irrational?

Zitate wie das genannte oder solche von anderen klugen Menschen wie Warren Buffett, André Kostolany und Peter Lynch sind allgegenwärtig. Sie werden gerne großspurig angeführt aber im Gegenzug von den Wenigsten eingehalten, sodass sich zwangsweise die Frage stellt, woran das liegen könnte? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Es ist die Psychologie.

 

Genau genommen sind es Emotionen wie Gier und Ungeduld, die den Menschen seit jeher auszeichnen, und natürlich auch an der Börse nur schwer ausgeblendet werden können. Wie sollen Sie diese Emotionen auch ausblenden, wenn die »Investmentpornografie« Ihnen ständig vor Augen führt, welche Aktie garantiert der nächste Tenbagger wird und sich binnen weniger Jahre verzehn-, ach was, verhundertfachen wird?

 

»Gier frisst Hirn«

Die Gier nach Rendite lässt Ihren Kopf aussteigen und stattdessen Fantasien blühen. Dass Gier und Fantasie aber schlechte Berater sind, wissen wir nicht zuletzt seit dem Platzen der DotCom-Blase, als zahlreiche »fantasiereiche« Aktien erst wie Kometen in die Höhe schossen, nur um wenig später in der Versenkung zu schwinden. Und wer war am Ende der Geprellte? Richtig, der Kleinanleger, der in seiner Renditegier auf den Zug aufgesprungen war, ohne sich um Geschäftsberichte und Fundmentaldaten zu kümmern, und letztendlich viel Kapital verloren hat.

 

Die Vergangenheit scheint sich zu wiederholen

Der nun schon mehrere Jahre anhaltende Bullenmarkt führt bei vielen Anlegern zu ähnlichen von Gier getriebenen Fantasien. Lass dich nicht mitreißen, sondern bleibe realistisch. Baue den Großteil deines Portfolios aus soliden Unternehmen zusammen, deren Geschäftsmodelle du verstehst. Und was noch viel wichtiger ist, deren Geschäftsberichte Du gelesen und deren Kennzahlen DU selbst nachgerechnet hast. Überlege dir  stets ein Szenario, warum Du eine Aktie kaufen möchten und folge  nicht blind den Empfehlungen von Analysten, die dir die nächste Google, Apple oder Amazon verkaufen wollen.

 

Kurse sind lediglich Preisschilder

Geduld zahlt sich aus, soviel steht fest, denn langfristig bietet Ihnen der Markt eine solide Rendite von 7-10 Prozent pro Jahr, was immerhin einer Verdopplung deines Kapitals binnen nicht einmal eines Jahrzehnts entspricht. Du musst nur lange genug dabei bleiben. Ein guter Investor zeichnet sich auch dadurch aus, dass er sich durch kurfristige Störfeuer nicht aus seinem Konzept bringen lässt. Nur weil der Markt dir anbietet, deine Siemens-Anteile zu einem Preisabschlag von 10 Prozent gegenüber Ihrem Kaufkurs abzukaufen, musst du dieses Angebot noch lange nicht annehmen.

 

Jedenfalls dann nicht, wenn sich auch fundamental nichts geändert hat. Warum solltest du deine Procter & Gamble-Anteile verkaufen, wenn eine politische Börse einen Kursrutsch verursacht hat, sich für den größten Konsumgüterproduzenten der Welt aber rein gar nichts geändert hat? Du verkaufst dein Haus doch auch nicht, wenn die Immobilienpreise einmal zurückgehen. Du siehst, es handelt sich prinzipiell um die gleiche Situation, nur mit dem Unterschied, dass an deiner Immobilie nicht täglich ein anderes Preisschild klebt.

 

Denken Sie langfristig

Befreie dich von diesem kurzfristigen Denken und habe Geduld. Gute Unternehmen wachsen nachhaltig. Freilich befreit dich das natürlich nicht davon, von Zeit zu Zeit zu prüfen, ob sich ein Unternehmen deiner Analyse entsprechend entwickelt. Ist zum Beispiel die Geschäftsgrundlage elementar durch politische Eingriffe gefährdet, wie es der Atom-Ausstieg bei Eon und RWE eindrucksvoll bewiesen hat, dann ist es tatsächlich Zeit, entschlossen zu handeln.

 

Verfrühtes handeln und wildes Umhertraden hingegen nützt nur einem – Ihrem Broker. Du musst  nicht gleich Schlaftabletten nehmen, so wie es André Kostolany empfahl. Aber gerade bei gut aufgestellten Unternehmen ist einfaches Nichtstun und sich auch in schwachen Marktphasen über eingehende Dividenden zu freuen, der deutlich erfolgreichere Weg.

 

Wenn schon kurzfristig handeln, dann mit Kopf

Und wenn du  doch einmal der sinnbildlichen Straßenbahn hinterherjagst, tu dies nur mit einem kleinen Prozentsatz deines Kapitals und nicht ohne Szenario. Setzen dir  bei der Investition in eine spekulative Aktie wie Snap Inc. Ziele, sodass gleich von Beginn an klar ist, wie deine Ausstiegsstrategie aussieht.

 

Definiere einen maximalen Drawdown, bei dem du in jedem Fall aussteigen willst, und sicher dir im Gegenzug deine Gewinne ab. Entweder manuell beim Erreichen eines strategisch festgesetzten Kursgewinns von 50 Prozent oder per nachgezogenem Stopp (Trailing-Stopp-Loss). So gerätst du  nicht in die Bredouille, kurzfristig und emotional zu handeln.

 

Fazit

Zum Schluss noch ein guter Rat: Halte dich fern von Investmentpornografie oder klopfe diese zumindest mit der Frage »Cui bono?« (Wem zum Vorteil) ab. Damit senkst du die Wahrscheinlichkeit enorm, in die »Gier frisst Hirn«-Falle zu tappen.

Wenn dir das Thema interessiert empfehle ich dir diese Bücher zu lesen:

Follow by Email
Facebook
Facebook
TWITTER
Instagram501
Tag :#, #

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.